Gründung ist kein Mindset-Problem statt vielmehr eine Frage von Zugang, Struktur und Strategie
Warum entscheiden sich Frauen gegen Gründung?
Häufig nicht, weil ihnen Ideen oder Kompetenzen fehlen. Im Gegenteil: Die Voraussetzungen sind oft vorhanden.
Maßgebend sind andere Faktoren: Zugänge, Entscheidungslogiken und strukturelle Bedingungen, unter denen Gründung tatsächlich stattfindet und die nicht für alle gleichermaßen zugänglich sind.
Entscheidungen gegen Gründung entstehen deshalb häufig nicht aus fehlender Fähigkeit, sondern aus begrenztem Zugang zu Netzwerken, Kapital und Erfahrungswissen.
Genau hier setzen Formate wie Smart Women* Creating Impact an:
Sie verbinden Einordnung mit konkreten Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten und machen damit das Feld nicht einfacher, aber zugänglicher und navigierbarer.
Realität: Potenzial ist vorhanden – die Bedingungen sind es nicht immer
Die Zahlen sind bekannt und gleichzeitig erklärungsbedürftig:
- Frauen stellen rund 39 % aller Existenzgründungen in Deutschland
- im Startup-Bereich liegt ihr Anteil bei unter 20 %
- rein weibliche Teams erhalten etwa 1–3 % des Venture Capitals
Diese Differenz lässt sich nicht über individuelle Entscheidungen erklären.
Sie entsteht durch strukturelle Faktoren:
Zugang zu Netzwerken, Passung zu bestehenden Finanzierungslogiken, Sichtbarkeit, Zuschreibungen darüber, wer als „skalierbar“ gilt.
Für die eigene Strategie ist das relevant, weil es den Handlungsspielraum mitbestimmt.
Und weil es erklärt, warum sich viele Fragen nicht auf der individuellen Ebene lösen lassen.
Ansatz: Gründung als gestaltbarer Prozess
Im Workshop wurde Gründung nicht als linearer Weg vermittelt, sondern als Prozess, der sich aktiv gestalten lässt.
Ein zentraler Bezugspunkt war dabei Effectuation:
Ausgehend von vorhandenen Ressourcen handeln – Fähigkeiten, Kontakte, Kontext – und daraus nächste Schritte entwickeln.
Ergänzt wurde das durch eine klare Einordnung typischer Annahmen über Gründung:
- Gute Ideen setzen sich nicht automatisch durch
- Wachstum im Markt führt nicht automatisch zu mehr Teilhabe
- Finanzierung folgt bestimmten Mustern, nicht nur Qualität
Diese Punkte sind nicht neu. Aber sie werden selten so aufbereitet, dass daraus konkrete Entscheidungen ableitbar sind.
Was sich verschiebt
Relevant sind nicht die Inhalte an sich, sondern das, was sich dadurch verändert.
Eine Teilnehmerin formulierte es so:
„Ich dachte immer, ich habe ein Netzwerkproblem. Heute merke ich: Ich kann extrem gut netzwerken – ich habe ein Setting-Problem.“
Eine andere sagte:
„Ich habe mich nie wirklich als Unternehmerin begriffen. Heute merke ich, ich bekomme Lust, das anders zu sehen.“
Beide Aussagen zeigen eine ähnliche Bewegung:
Der Fokus verschiebt sich von vermeintlichen Defiziten hin zu Fragen der Passung, Struktur und Positionierung.
Das ist kein rein persönlicher Effekt.
Es verändert, wie nächste Schritte gewählt werden – und wie realistisch sie eingeschätzt werden.
Rolle von Role Models und Austausch
Die Beiträge der Role Models haben diesen Perspektivwechsel verstärkt. Sie haben nicht nur Erfolgsgeschichten erzählt, sondern haben ihre Geschichten, Entscheidungen, Unsicherheiten und Umwege sichtbar gemacht haben.
Dabei wurde unter anderem deutlich:
- Gründung ist auch eine Frage der Gestaltung von Arbeits- und Lebensrealität
- Teamkonstellationen und geteilte Werte sind zentrale Erfolgsfaktoren
- viele Entscheidungen entstehen außerhalb klarer Planung – und lassen sich trotzdem steuern
Im anschließenden Austausch wurde das unmittelbar handlungsrelevant: Gründerinnen sind gezielt in Gespräche gegangen, haben ihre Vorhaben auf den Punkt gebracht, ihren aktuellen Stand benannt und konkret formuliert, was sie brauchen.
Daraus sind wirksame erste Anschlüsse entstanden: Hinweise zu Finanzierungsmöglichkeiten, direkte Weiterverbindungen in relevante Netzwerke, Rückmeldungen zur Positionierung und erste Ansatzpunkte für Kooperationen.

Einordnung: Warum solche Formate wirken
Ein häufiger Engpass in der Gründungsförderung ist nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Anschlussfähigkeit.
Informationen sind verfügbar.
Was oft fehlt, ist die Verbindung aus:
- Einordnung struktureller Bedingungen
- konkreten Entscheidungslogiken
- und einem Rahmen, in dem sich das auf die eigene Situation übertragen lässt
Genau in dieser Verbindung entsteht Wirkung.
Transfer
Für Organisationen stellt sich damit eine konkrete Frage:
Wo werden in Ihren Formaten bereits Kompetenzen aufgebaut – und wo fehlt die Verbindung zu realen Entscheidungs- und Handlungslogiken?
Wo werden strukturelle Rahmenbedingungen sichtbar gemacht, reflektiert und schrittweise verändert?
Und wo werden Menschen, die davon betroffen sind, gezielt angesprochen, unterstützt und im Umgang damit konkret befähigt?
Abschluss
Formate wie Smart Women* Creating Impact zeigen, dass unternehmerisches Potenzial nicht primär aktiviert werden muss.
Es ist vorhanden.
Entscheidend ist, ob die Bedingungen so gestaltet sind, dass daraus tatsächlich Handlung entsteht.
„FUTUR F kombiniert fundiertes Wissen und Professionalität mit spürbarem Engagement. Die Workshops sind inspirierend und eröffnen neue Perspektiven – ohne belehrend zu wirken.“
