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Plus X – Gründe lieber ungewöhnlich

Januar 1

Plus X: Gründe lieber ungewöhnlich

Wie ist eine Gründung mit Familie, Promotion oder Anstellung vereinbar? Kann ein anderer Blick auf Innovation und Impact unser (Arbeits-)Leben verändern? Um diese Fragen ging es bei der Veranstaltung „Gründung plus X“ am 26.11. Wer nicht dabei war, kann trotzdem etwas mitnehmen: Fünf Learnings von Alter bis Zeiteinteilung.

Freitagmorgen, Ende November: Draußen schneit es zaghaft. Am Eingang zur Freiburger Lokhalle tummeln sich gut dreißig Gründer:innen und solche, die es vielleicht werden wollen. Zwischen ihnen und einem Vormittag rund um ungewöhnliche Gründungen steht nur noch ein 2G+-Check.

Eingeladen haben das Social Start-Up FUTUR F, der Grünhof sowie die dort beheimateten Programme Social Innovation Lab und >SMART> GREEN Accelerator, die Start Up-Gründer:innen helfen, fachliches Wissen und Leidenschaft für ihr Thema in unternehmerisches Handeln mit Impact zu übertragen.

Heute geht es darum, solchen Gründer:innen eine Bühne zu bieten, die ihr Unternehmen mit Angestelltenjob, Familie oder Promotion unter einen Hut bringen. Die sich Gründungs-Mythen von 100-Stunden-Woche und Geniestreichen widersetzen. Die fordern: Es muss auch anders gehen. Und zeigen: Es kann nur anders gehen, wenn wir damit anfangen. Zum Beispiel mit diesen fünf Learnings:

Erstens. Vereinbarkeit ist mehr als Kinder

Am Anfang steht die Erkenntnis, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Vereinbarkeit, sagt FUTUR F-Gründerin Sara Boukal in ihrer Einführung, ist die Frage, wie wir unsere Zeit einteilen, zwischen Lohnarbeit, Sorgearbeit, Kultur und Politik. Zieht man acht Stunden Schlaf ab und viertelt den Rest, bleiben vier Stunden täglich für die Lohnarbeit – also eine 20-Stunden-Woche, so die Idee der Soziologin Frigga Haug. Revolutionär? Vielleicht, aber wer soll es umsetzen, wenn nicht Entrepreneure, die Arbeit neu denken.

Zweitens. Wir brauchen neue Gründungs-Geschichten

Jonas al Nemri hat mit seiner Frau ein Start-Up und fünf Kinder. Shahrzad Enderle hat gegründet und promoviert. Andreas Schmucker hat zunächst am Start-Up und angestellt gearbeitet. Sie alle erzählen alternative Geschichten zum Narrativ des heldenhaften Gründers, der alle Zeit ins Start-Up steckt. Zugegeben, auch die Gründer:innen auf der Bühne schlafen selten acht Stunden, aber: Das Leben gibt den Takt fürs Unternehmen vor, nichts andersherum.  „Wenn ich meiner Tochter nur mit einem Ohr zuhöre, weil ich nebenher tippe, fordert sie meine Aufmerksamkeit ein“, sagt etwa Jonas al Nemri: „Sie klappt mir den Laptop einfach zu.“

Drittens. Zeitmanagement ist Zielmanagement  

„Es geht hier nicht darum, sich selbst noch mehr zu optimieren“, sagt Julia Mayer gleich zu Beginn des Workshops, den sie zusammen mit Smart Green Accelerator-Kollegin Anna Lehner leitet. Dem Workshop-Titel „Getting things done” fügen sie deshalb direkt hinzu: „… the feminist way“. Zeit für die eigenen Herzensthemen freizuschaufeln, falle Frauen mitunter schwerer, sagt Anna Lehner. Das aber eben doch zu tun, sei ein Akt der Selbstermächtigung. Mit Methoden aus Erin Falconers Buch „How to Get Sh*t Done“ stellen die Teilnehmer:innen Gewohnheiten, Beziehungen und das „Warum“ hinter Tätigkeiten auf den Prüfstand und fragen sich: Zahlt das, was ich tue, auf meine Ziele ein?

Viertens. Du musst kein:e Held:in sein

Ein paar Container weiter geht es parallel mit Sara Boukal und Jella Riesterer vom Social Innovation Lab darum, Innovation und Erfolg neu zu denken – und damit auch das Selbstverständnis von Gründer:innen, weg vom „Heropreneur“, hin zum Co-Creator. Statt Innovation als disruptiven Geniestreich zu sehen, können Impact-orientierte Gründer:innen sich fragen: An welcher Stelle im System kann ich die größte Wirkung entfalten? Wie kann ich mit anderen zusammenarbeiten? Wie kann ich Erfolg an mir selbst messen und mich so davon freimachen, andere heldenhaft übertrumpfen zu wollen?

Fünftens. Zum Gründen ist es nie zu spät

Zum Schluss bleibt die Frage: Warum habe ich noch nicht gegründet? Die stellt sich FWTM-Geschäftsführerin Hanna Böhme. An Vorbildern und Netzwerk mangele es nicht, auch Finanzierung ließe sich finden, so Böhme. Und das mit der Kinderbetreuung sei auch als Angestellte ein Problem. Nachdem Böhme all diese Hinderungsgründe relativiert hat, bleibt auf ihrer Slide als „Schlüssel“, warum sie noch nicht gegründet hat: „Angst zu scheitern, Zweifel an der Idee und an mir“. Diese bemerkenswerte Offenheit ist wie ein kleines Fenster in eine Arbeitswelt, in der man sich nicht aufplustern muss. Und für ihre eigene Gründung bleibt Hanna Böhme noch Zeit. Hier schließt sich der Kreis zum ersten Input des Tages: Der kam per Zoom aus Hamburg – von Elke Jensen, die mit 71 ihr Start-Up gründete.

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Datum:
Januar 1

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